Das historische Wirtshaus im Spessart
"Wirtshaus im Spessart"
Um die Geschichte des Wirtshaus im Spessart zu erklären, muss man
zurückgehen in das Jahr 1625. Damals richtete Lamoral von Taxis,
Generaloberpostmeister, eine Postroute von Brüssel über Würzburg
nach Prag ein. Für die Spessartdurchquerung benutzte er eine bereits
vorhandene alte Strasse, die bald den Namen Poststraße bekam. Diese
Poststraße führte damals über Aschaffenburg - Bessenbach -
Rohrbrunn - nach Esselbach und weiter nach Würzburg. Hessenthal lag
abseits dieser Route. Posthaltereien befanden sich damals unter anderem in
Straßbessenbach und Rohrbrunn. Zwischen 1780 und 1790 wurde die neue
Chaussee gebaut, die nun direkt oberhalb des Ortes Hessenthal verlief. Da auf
der neuen Poststraße die Postkutschen besser vorwärts kamen, wurde
die Posthalterei in Straßbessenbach überflüssig, stattdessen
sollte etwas weiter von Aschaffenburg entfernt, eine weitere Poststation
errichtet werden.
Im Jahr 1813 entschloss sich der Gastwirt Franz Scherf aus Bessenbach in
Hessenthal eine Posthalterei zu errichten. So wie er den Bau ausführen
ließ, entspricht es genau der Beschreibung, die Hauff in seinem
"Wirtshaus im Spessart" verwendete: ein langes, aber niedriges Haus, ein Karren
stand davor und im Stall nebenan hörte man Pferde wiehern. Natürlich
hatte Scherf der Posthalterei auch eine Wirtschaft angegliedert, sie nannte
sich "Fürstentum Aschaffenburg" wurde aber bald nur noch die "Post"
genannt, so wie sie heute noch heißt. Lange glaubte man, dass das
richtige Wirtshaus im Spessart in Rohrbrunn gestanden habe; tatsächlich
war die Posthalterei Rohrbrunn schon1820, also sechs Jahre vor Hauff's
Spessartreise, aufgehoben worden. Die Postkutschen hielten nicht mehr in
Rohrbrunn und Hauff wird auf seiner Reise diesen einsamen Ort gar nicht bemerkt
haben. Das sich in Rohrbrunn befindliche Gasthaus ab 1930 Wirtshaus im Spessart
nannte kann man nur als guten "Werbegag" bezeichnen.
Als Hauff 1826, also ein Jahr bevor er "Das Wirtshais im Spessart" schrieb,
durch den Spessart reiste, war die Hessenthaler Posthalterei eine der
bedeutendsten in Deutschland und die postalische Organisation erforderte dort
auch einen Aufenthalt. Dort in der Gastwirtschaft wird Wilhelm Hauff vielleicht
die Geschichten von den wilden Spessarträubern gehört haben, die noch
kurze Zeit vorher die Poststrecke unsicher gemacht hatten.
Es ist also durchaus realistisch das "Gasthaus zur Post" in Hessenthal als das
richtige Wirtshaus im Spessart zu bezeichnen.