Naturpark Spessart
Der Naturpark Spessart
Den Spessart "Naturpark" zu nennen, widerspricht verniedlichend der
Wirklichkeit. Das Land war abgelegen und undurchdringlich denn die ehemaligen
Herren, die Kurfürsten von Mainz, duldeten in solch idealem
Jagdgelände kaum Rodungen und Ansiedlungen. Der Naturpark Spessart liegt
im Mainviereck, wobei die Sinn und Kinzig die nördliche Grenze bilden. Mit
ca. 1710 qkm in Bayern und 730 qkm in Hessen bildet er das grösste
zusammenhängende Mischlaubwaldgebiet in Deutschland. Ein Dorado für
Wanderfreunde. Vorherrschend sind hier Buchen und Traubeneichen auf den
Höhen und Hängen. Kiefern, Stieleichen und Birken finden sich in den
sandigen Niederungen. An Bachläufen und Feuchtgebieten begegnen uns
vornehmlich die Erle, Linde und Esche sowie der Ahorn. Besonders hervorzuheben
sind die weltweit geschätzten Spessart - Funiereichen. Geologisch gesehen
ist der Spessart ein recht junges Gebirge. Das Grundgebirge bildete vor 500 bis
700 Millionen Jahren kristallines Gestein, das im nordwestlichen Spessart zu
Tage tritt. Das Kommen und Gehen von Meeren hinterliess bis vor 200 Millionen
Jahren Ablagerungen, die heute das bis zu 400 m mächtige Deckgebirge aus
Buntsandstein bilden. Umwelteinflüsse und Erosion gaben dem Spessart sein
heutiges Aussehen mit Plateau und tief eingeschnittenen Tälern. Die Ton-
und Lehmschichten verhindern ein schnelles Versickern des Wassers und machen
den Spessart zu einem quellenreichen Mittelgebirge. Die höchste Erhebung
ist der Geiersberg mit 586 m. Während im Innern nährstoffarmer Boden
vorherrscht sind an den Randlagen zum Main hin die Böden ertragreicher.
Nach dem Wiener Kongress (1814/15) gelangte der Spessart an Bayern. Im Laufe
der Jahrhunderte entstanden in den Wäldern Glashütten, aus denen sich
Ortschaften (Wiesthal, Weibersbrunn, Heigenbrücken, ...) bildeten. Auch
waren Fuhrleute aus Frammersbach in ganz Europa unterwegs und sehr gefragt.
Trotzdem blieb der Spessart bis ins 20. Jahrhundert hinein ein Armenhaus. Erst
nach dem 2. Weltkrieg verbesserte sich die wirtschaftliche Lage der Bewohner
erheblich. Heute zeigt sich der Spessart als ein ideales Erholungs- und
Wandergebiet mit abwechslungsreichem Angebot für Jung und Alt. Verkehrsmässig wurde der Spessart schon
früh von sogenannten Altstrassen, damals wichtige Handelswege, durchzogen.
Spessartwald = Räuberwald ? Das waren Gründe, warum streunende
"Galgenvögel" wie der Wurzeljörg, der taube Johann oder der krumme
Hanfriedel die Durchquerung des riesigen Waldgebietes zum gefährlichen
Unterfangen werden liessen. Die wichtigsten Routen waren der Eselsweg und die Birkenhainer Strasse. Heute sind sie gern
gelaufene Fernwanderwege. Seit den 50er Jahren durchquert die Autobahn A 3
Frankfurt - Würzburg den Spessart. Ausserdem führen die ehemalige
Bundesstrasse 8, die B 26, sowie die "Deutsche Ferienstrasse Alpen - Ostsee"
durch und über die schönen Wälder und Täler.
Drum ihr Leut' nehmt euch in acht weil in der Nacht der Räuber wacht!


